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    10 Fragen an Yogalehrerin Yesim Yuva

    Yesim Yuva ist Yogalehrerin, Mama, Model und Moderatorin. Die gebürtige Krefelderin lebt heute überwiegend in London, wo sie zurzeit an einer eigenen Yoga Plattform arbeitet. Ihren Yogastil beschreibt sie als Mischung aus Vinyasa- und Hatha-Yoga. Um sich mit dem höheren Selbst zu verbinden, baut jede ihrer Klassen auf einer Intention auf und wird durch Atemtechniken und Meditationsübungen abgerundet. Wo Yesim Chancen in der Corona-Krise sieht und welche Tipps sie Yogalehrer*innen in dieser herausfordernden Zeit mit an die Hand geben würde, erfährst Du im folgenden Interview.
    Yoga Teacher Yesim Yuva

    Liebe Yesim, Du bist Yogalehrerin, Schauspielerin, Model, Moderatorin und seit einem Jahr auch Mama. Wie schaffst Du es, all das zu vereinen?

    Mutter zu sein hat sehr vieles verändert. Ich muss meine Zeit sehr effektiv einteilen. Vor meinem Sohn hatte ich schon ein sehr straffes Programm mit all den Projekten um mich herum. Ich liebe es viel zu tun zu haben, besonders wenn es Projekte sind, die ich mit Leidenschaft mache und dazu gehören die Yoga Retreats, das Unterrichten und die Arbeit vor der Kamera. Das hat alles immer sehr gut zusammengepasst. Immer mehr wurde ich wegen meinem Yoga Background für Model, Moderations-, und Schauspieljobs gebucht. Das hat meine Tätigkeit vor der Kamera natürlich sehr bereichert.

    Als dann mein Sohn auf die Welt kam, habe ich tatsächlich ein ganzes Jahr lang Pause gemacht und habe mich nur um die neue Familie gekümmert. Das erste Jahr war sehr intensiv und wunderschön zu gleich. Ich habe allerdings auch meine Arbeit und mein “altes Leben” sehr vermisst und es hat gedauert bis ich als Mutter angekommen bin, also die Rolle auch dankbar und mit guter Laune akzeptiert habe. Erst seit Kurzem schaffe ich wieder ein neues Gleichgewicht zwischen Job, Muttersein und meiner privaten Zeit für mich selbst zu erreichen, worunter auch meine tägliche Yogapraxis fällt. Aber ohne den inneren Willen und die Intention ständig wachsen zu wollen,wäre das nicht möglich.

    "Yoga gehört zu meinem Alltag und ist für mich das Geheimnis für ein erfülltes Leben."

    Yoga Teacher Yesim Yuva wears Yogabody from Mandala

    Welchen Stellenwert hat Yoga in deinem Leben?

    Yoga gehört zu meinem Alltag und ist für mich das Geheimnis für ein erfülltes Leben. Ein spiritueller Lifestyle kann jedoch anstrengend sein und erfordert große Konzentration und Ausdauer, bevor man signifikante Fortschritte macht. Selbstverwirklichung ist ohne Sadhana, also spirituelle Disziplin, nicht möglich. Yoga besteht für mich nicht nur aus gesunder Ernährung, Asanas, Pranayama und Meditation, sondern dazu gehört auch die innere Yoga Disziplin, Selbstbeherrschung, Tapas und Reinheit. Und daran muss ich mich immer wieder erinnern. Die morgendliche Yogapraxis hilft mir in den Tag mit einer guten Intention zu starten.

    Findest Du als Mama noch Zeit für deine Yogapraxis?

    Irgendwie bekomme ich das immer wieder hin. Meistens wird es dann doch eher abends, wenn der Kleine schläft, da habe ich dann weniger Zeitdruck und auch die meisten dringenden Dinge auf meiner To Do Liste sind abgearbeitet. In meiner Wunschvorstellung stehe ich um 5 Uhr morgens auf, mache mein Yoga, lese etwas, schreibe in mein Tagebuch und meditiere bevor es dann mit dem dynamischen Tag losgeht. Denn danach ist alles nur noch back to back. Wirklich, da zählt jede Minute. Oft esse ich auch mein Mittagessen schnell stehend in der Küche. Das kann es ja auch nicht sein! Ich arbeite also gerade an einer slow-down Technik, um trotzdem alles Wichtige hinzubekommen. Eine Balance zwischen Quality Time mit der Familie, einem freien Kopf für Kreativität, Business und meiner Yogapraxis.

    Welche Yogaform unterrichtest Du und wie würdest Du diesen Stil beschreiben?

    Es ist eine Mischung aus Vinyasa und klassischem Hatha. Atemtechnikenund geführte Meditationen gehören zu jeder Stunde dazu. Wir starten jede Session mit einer Intention, die sehr nah am echten Leben ist und darauf baut dann die Stunde auf. Es ist mir wichtig, dass man mit Yoga auch die Menschen erreichen kann, die es nicht so einfach haben nach innen zu schauen. Worte haben eine große Macht und die Sprache ist das Tor zur Welt. Demnach begleite ich die Posen oft mit Sätzen, die dazu führen, dass man bewusster von den Dingen loslassen kann, die wir im Leben nicht brauchen. Ich arbeite viel mit Herzöffnern. Ich mag es auch gerne die Posen genauer zu erklären, um eine richtige körperliche Ausrichtung zu erreichen. Jeder Moment wird auf der Matte genutzt, um eine tiefe Verbindung zu uns selbst aufzubauen, um uns bewusst zu werden, dass wir nicht unsere Gedanken, Gefühle, unser Körper und auch nicht unsere Energien sind, sondern der Beobachter der ganzen Geschehnisse aus dem Sitz des Bewusstseins heraus. Das Ziel ist es die Stille in uns zu finden und uns mit dem höheren Selbst zu verbinden. Alles was wir suchen, ist schon in uns drin und die Yogapraxis hilft uns, dorthin zu gelangen, damit wir uns friedlich, frei, glücklich und vollkommen fühlen können.

    Glaubst Du, dass die Yogaphilosophie Einfluss auf deine Rolle als Mutter hat?

    Hmm, das ist schwierig zu sagen, weil man nicht so genau weiss, wie man als Mutter wäre ohne die Kenntnisse der Yogaphilosophie. Muttersein hat sehr viel mit Instinkten zu tun, aber auch die eigene Kindheit spielt eine große Rolle. Ich kann nur sagen, dass ich mich nach meiner Yogapraxis definitiv ausgeglichener fühle und das hat Einfluss auf mein alltägliches Verhalten als Mutter. Allein das Wissen über die Yogaphilosophie bringt einem ja nicht viel, es kommt auf die regelmäßige Praxis an.

    Du bist in Krefeld geboren, lebst heute überwiegend in London. Auch dort ist Corona ein großes Thema. Wie erlebst Du die Corona-Krise als Yogalehrerin und wie begegnest du damit verbundenen Herausforderungen?

    Jede Krise bringt auch eine Chance mit sich. Es ist der Wahnsinn, wie schnell sich Yogaschulen weltweit auf digital umgestellt haben. Ich habe mich jahrelang davor gesträubt, da ich einfach face to face sessions liebe und bisher sehr viele Retreats gegeben habe, da hat sich einfach keine Gelegenheit für online Yoga Videos ergeben. Doch jetzt sehe ich große Vorteile im online Unterrichten. Es ist so schön zu sehen, wie Menschen aus aller Welt mitmachen, besonders bei den live sessions ist das ein tolles Gefühl. Zudem arbeite ich gerade an meiner eigenen Yoga Plattform mit Videos on demand.

    Welche 5 Tipps würdest Du Yogalehrer*innen in dieser Zeit geben?

    1. Nutze die sich dynamisch entwickelnde Digitalisierung, um mehr Menschen zu erreichen.
    2. Nutze die Stille, um dich wieder neu zu finden.
    3. Nutze die Zeit, um deine Ideen zu verwirklichen.
    4. Bleibe nicht stehen. Bilde dich weiter. Wachse.
    5. Bleib gesund.

    Viele Menschen verbringen einen Großteil ihrer Lebenszeit sitzend, am Schreibtisch. Durch Homeoffice fällt oft auch noch Weg zur U-Bahnstation weg. Welche Asanas empfiehlst du, um die Gesundheit zu stärken?

    • Schulteröffner für eine gerade Haltung in der Wirbelsäule und Stärkung des Rückens.
    • Der Baum für eine bessere Konzentration.
    • Schulterstand für ein beruhigendes Nervensystem.
    • Sonnengruß für einen aktiven Kreislauf und einen fitten Start in den Tag.
    • Atemübungen und Meditieren für einen klaren Kopf.

    Als Yogalehrerin arbeitest du mit Menschen zusammen, gerade auf körperlicher Ebene. Spiegelt sich die Persönlichkeit eines Menschen in seiner Yogapraxis wider?

    Es gibt einige Posen, die besonders den emotionalen und mentalen Zustand zeigen. Beispielsweise wenn man in der Taube mit ausgestreckten Armen die Finger nicht locker hat, kann es sein, dass derjenige gerade von einer Sache nicht loslassen kann und verkrampft daran festhält. Es gibt einige die Shavasana nicht entspannend finden und darauf warten, dass die 10 Minuten endlich vorbei sind. Denen fällt es eventuell schwer, nach innen zu schauen und darauf zu vertrauen, dass Heilung stattfindet, ohne dass man was dafür etwas tun muss.

    Gibt es ein Yoga Mantra, welches Du uns mit auf den Weg geben kannst? Was bedeutet es übersetzt?

    Seit Jahren höre und chante ich das Gayatri Mantra, ich würde sogar sagen fast jeden Tag. Ich lasse es auch vor meinen Yoga Stunden laufen, manchmal auch bevor ich ins Bett gehe. Das Gayatri Mantra reinigt vor allem das Herz. Die Version von Miten und Premal finde ich besonders schön.

    Om bhur bhuvaha svaha

    Tat savitur varenyam

    Bhargo devasya dhimahi

    Dhiyo yonah prachodayat

    „Om – Wir meditieren über den Glanz und die Strahlung der Anbetungswürdigen höchsten Göttlichen Wirklichkeit, die Quelle alles Seins, der physischen, astralen und kausalen Ebene. Möge das höchste Göttliche Wesen unseren Geist erleuchten und unser Unterscheidungsvermögen erwecken, damit wir die absolute Wahrheit erfahren.“

     

    Yoga Teacher Yesim Yuva in meditation pose wearing a yogabody and leggings from Mandala

     

    Herzlichen Dank liebe Yesim, dass du uns durch deine Antworten einen spannenden Einblick in dein Leben gewährt hast. Alles Gute für dich!